Mit dem Neanderforum 2026 unter dem Titel „Gesichter der Vielfalt – Wie Menschen in Kirche Rassismus begegnen“ fand eine inspirierende Veranstaltungsreihe in Düsseldorf statt. In Kooperation mit der Stabsstelle Vielfalt und Gender der Evangelischen Kirche im Rheinland lud die Evangelische Kirche in Düsseldorf dazu ein, sich mit Fragen von Vielfalt, Rassismus und gelebter Teilhabe auseinanderzusetzen.
Über mehrere Veranstaltungen hinweg kamen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen miteinander ins Gespräch. Filmvorführungen, Vorträge, Lesungen und Diskussionsrunden eröffneten vielfältige Zugänge zum Thema und machten deutlich, wie wichtig es ist, Rassismus in Kirche und Gesellschaft wahrzunehmen, ihm entgegenzutreten und Räume für Begegnung und gegenseitiges Lernen zu schaffen.
Die Referent:innen brachten fachliche Expertise und persönliche Erfahrungen ein und regten dazu an, eigene Sichtweisen zu reflektieren. Besonders bereichernd waren die offenen Gespräche mit den Teilnehmenden, die zeigten, wie groß das Interesse an einem respektvollen und wertschätzenden Miteinander ist.
Die Kooperation von Kirche vor Ort mit der landeskirchlichen Ebene hat die Veranstaltungsreihe maßgeblich bereichert und unterstrich die gemeinsame Verantwortung, Vielfalt als Stärke zu verstehen und Diskriminierung aktiv entgegenzuwirken.
Das Neanderforum 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass Kirche ein Ort des Dialogs, des Zuhörens und des gemeinsamen Lernens sein kann. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen und die engagierte Beteiligung der Besucher:innen machen deutlich, wie wichtig solche Formate sind – und ermutigen dazu, den begonnenen Austausch auch über das Neanderforum hinaus fortzuführen.
Das Programm im Detail:
Den Auftakt bildete die Vorführung des Dokumentarfilms „Wolke der Zeugen – Bonhoeffer in Harlem“ von Hellmut Schlingensiepen. Der Film beleuchtet die prägende Zeit Dietrich Bonhoeffers in Harlem und zeigt, wie die Begegnungen mit der Gemeinde vor Ort sein späteres Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus nachhaltig beeinflussten. Im anschließenden Filmgespräch sowie in thematischen Gesprächsrunden wurden die historischen Impulse mit aktuellen Fragestellungen verbunden.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Vortrags- und Gesprächsabend „Was ist Rassismus und Ubuntu?“. Pfarrer i. R. Austen P. Brandt erläuterte grundlegende Formen und Wirkungsweisen von Rassismus und stellte den afrikanischen Leitgedanken Ubuntu – „Ich bin, weil du bist“ vor.
Ein besonderes Merkmal des Neanderforums an diesem Abend waren die thematischen Workshops und Gesprächsrunden, die den Teilnehmenden die Möglichkeit boten, die Impulse der Vorträge und des Films zu vertiefen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei standen unterschiedliche Aspekte des Themas Rassismus im Mittelpunkt.
Heike Kasch sensibilisierte für diskriminierende Botschaften in Kinder- und Jugendliteratur und zeigte auf, wie Bücher kritisch gelesen und Vielfalt bewusster dargestellt werden kann (https://bilderimkopf.eu/). David Gabra stellte die Meldestelle für Rassismusvorfälle sowie das Empowermentnetzwerk der Evangelischen Kirche im Rheinland vor und sprach über Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene (https://rassismuskritik.ekir.de/). Austen P. Brandt eröffnete mit dem Ubuntu-Gedanken eine Perspektive auf Zusammenleben, die von gegenseitiger Wertschätzung, Verbundenheit und Verantwortung geprägt ist.
Die Workshops schufen Raum für Fragen, persönliche Erfahrungen und den Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Sie machten deutlich, dass die Auseinandersetzung mit Rassismus nicht bei der Vermittlung von Wissen endet, sondern vor allem durch Zuhören, Dialog und gemeinsames Lernen lebendig wird. Gerade diese Verbindung von fachlichem Input und persönlichem Austausch prägte das Neanderforum und machte die Veranstaltungsreihe zu einem Ort des gemeinsamen Nachdenkens über eine vielfältige und diskriminierungssensible Kirche.
Den Abschluss des Neanderforums gestaltete die Theologin und Autorin Sarah Vecera mit einer Lesung aus ihrem Buch „Wie ist Jesus weiß geworden? – Mein Traum von einer Kirche ohne Rassismus“. Sie sensibilisierte für rassistische Strukturen innerhalb der Kirche und ermutigte dazu, Gemeinden als Orte zu gestalten, an denen alle Menschen sich willkommen und angenommen fühlen.